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Allen Liebhabern der Mittelalterlichen Poesie
vorgestellt von Hans Dieter Steudel:

Ich saz uf eime Steine 
(Walther von der Vogelweide)

Ich saz uf eime steine
und dahte bein mit beine,
dar uf sazt‘ ich den ellenbogen;
ich hete in mine hant gesmogen
daz kinne und ein min wange.
Do dahte ich ömir vil ange,
wes man zer werlte sollte leben.
Deheinen rat kond‘ ich gegeben,
wie man driu dinc erwurbe,
der keines niht verdurbe.
Die zwei sind ehe und varnde guot,
daz dicke ein ander schaden tuot;
das dritte ist gotes hulde,
der zweier übergulde.
Die wolte ich gerne in einen schrin.
Ja leider des enmac niht sin,
daz guot und werltlich ere
und gotes hulde mere
zesamene in ein herze komen.
Stig‘ unde wege sint in benomen:
Untriuwe ist in der saze,
gewalt vert uf der straze,
frid‘ unde reht sint sere wunt:
diu driiu enhabent geleites niht, diu
zwei enwerden e gesunt.

Ich horte ein wazzer diezen
Und sach die vische flizen;
Ich sach, zwaz in der werlte was,
velt unde walt, loup, ror und gras;
swaz kriuchet unde fliuget
und bein zer erden biuget,
daz sach ich unde sage iu daz:
der keinez lebet ane haz.
Daz wilt und daz gewürme
Die stritent starke stürme,
samt tuont die vogel under in;
wan daz sie habent einen sin:
sie diuhten sich zu nihte,
si’n schüefen starc gerihte:
sie kiesent künege unde reht,
sie setzent herren unde kneht.
so we dir, tiuschiu zunge,
Wie stet din ordenunge,
daz nu diu mugge ir künec hat,
und daz din ere also zergat!
Bekera dich bekere!
Die zirken sint ze here,
die armen künege dringent dich:
Phillippe setze en weisen uf und
heiz sie treten hinder sich!

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